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Geburt

Der Kaiserschnitt

Auch hier erst einmal ein paar erklärende Worte zur Begriffsbestimmung und auch ein klein wenig zur Geschichte...
Und eine ausfürhliche Erklärung, über den Ablauf eines Kaiserschnittes...

Bereits den alten Agyptern, Griechen und Römern war die Schnittentbindung bekannt - erste sichere Aufzeichnungen hierüber stammen aus dem Jahre 1824. In Deutschland findet man die erste, durch einen Mediziner dokumentierte Schnittentbindung 1610, wobei davon ausgegangen wird, dass bereits wesentlich früher Hebammen diese Operation ausgeführt haben.

Die Bezeichnung "Kaiserschnitt" oder "Sectio caesarea" stammt aus dem 17. Jahrhundert. Mit dieser Umbenennung, die bis heute ihre Gültigkeit hat, wurde darauf hingewiesen, dass der erste römische Kaiser "aus dem Mutterleib herausgeschnitten" wurde.

hinsichtlich des Zeitpunkts der Entscheidung zur Schnittentbindung

Primärer Kaiserschnitt

Die Entscheidung zur primären oder auch geplanten Schnittentbindung fällt bereits vor dem Geburts- und somit Wehenbeginn. Ursachen hierfür können zum Beispiel sein:

  • Querlage des Babys
  • Placenta praevia (der Mutterkuchen sitzt vor dem Muttermund)
  • absolutes Missverhältnis zwischen mütterlichem Becken und kindlichem Kopf
  • vorzeitige Plazentalösung
  • Mangelversorgung des Babys durch eine Plazentainsuffizienz
  • eventuell auch bei Steißlage

Ein Kaiserschnitt auf Wunsch der Mutter
zählt hier sicherlich nur sehr eingeschränkt mit.
Wer hierzu Fragen hat, sollte mir bitte direkt mailen!

Sekundärer Kaiserschnitt

Hier entscheidet das Kreissaalteam erst während der Geburt, dass eine Entbindung per Kaiserschnitt notwendig ist. Folgende Probleme können dies beispielsweise nötig machen:

  • akute Gefahr für das Baby oder die Mutter
  • Nabelschnurvorfall
  • extrem verzögerter Geburtsverlauf mit fehlendem Geburtsfortschritt
  • relatives Missverhältnis zwischen mütterlichem Becken und kindlichem Kopf

„Und wie läuft das nun alles so ab?“

Dies ist wohl die häufigste Frage, die mir zum Thema Schnittentbindung in den Geburtsvorbereitungskursen so gestellt wurde – von daher hier ein kurzer zeitlicher Überblick über den Verlauf eines primären/geplanten Kaiserschnitts:

Nach der Entscheidung zur Schnittentbindung können Sie – und das ist ein riesiger Vorteil – das Geburtsdatum Ihres Babys nahezu frei bestimmen.

Wenn es dann soweit ist, werden Sie am Tag vor dem Eingriff in die Klinik gehen. Dort werden noch einmal alle nötigen Untersuchungen gemacht (Blutabnahme, CTG, Ultraschall etc.), der Narkosearzt führt mit Ihnen ein Gespräch und der Frauenarzt klärt Sie über die anstehende Operation auf. Dann werden Sie zumeist schon am Abend vorher für den Kaiserschnitt vorbereitet – das heißt rasiert (ab Bauchnabel abwärts)! Einige Kliniken erlauben Ihnen dann noch einmal nach Hause zu gehen, dort zu schlafen und am nächsten Morgen pünktlich zu erscheinen.

Am Geburtstag Ihres Babys werden Sie dann in den meisten Fällen recht früh in den Kreissaal gerufen. Dort gibt es noch ein letztes CTG, das OP-Hemdchen wird angezogen, Ringe und Ketten geben Sie bitte Ihrem Mann/Partner ... und dann geht’s los.

Im OP angelangt erwartet Sie nun eine nicht so schöne Situation: alle Vorbereitungen für den Kaiserschnitt werden Sie nämlich hellwach mitbekommen. Der Grund hierfür ist ganz einleuchtend: Ihr Baby soll so wenig wie möglich von der Narkose abbekommen, um möglichst fit und munter auf die Welt zu kommen. Da diese Medikamente aber leider recht zügig über den Mutterkuchen zu Ihrem Zwerg gelangen, werden sie erst unmittelbar vor dem ersten Schnitt gespritzt. Aber was erwartet Sie nun, bis Sie einschlafen? Zuerst müssen Sie sich einmal auf den kalten und recht unbequemen OP-Tisch legen, der zudem auch noch relativ schmal für eine hochschwangere Frau ist. Dann wird eine Braunüle gelegt. Dies sind diese dünnen Schläuche, die in das Blutgefäß gelegt werden, um Ihnen hierüber alle notwendigen Medikamente geben zu können. Als nächstes wird Ihr Bauch mit sterilen Tüchern abgedeckt und mit einem dunkelroten Desinfektionsmittel eingepinselt. Das ist meist ganz schön kalt! Dann kommt noch eine recht leidige Angelegenheit: um Ihre Harnblase vor Verletzungen während der Operation zu schützen wird ein Katheter gelegt – dies ist nicht schlimm, aber dennoch recht unangenehm.

Bevor Sie dann aber endgültig einschlafen, werden Sie noch die vielen Personen im Operationsraum bemerken. Im Durchschnitt sind drei Frauenärzte, zwei OP-Schwestern, ein Narkosearzt mit Helfer/-in, eventuell ein Kinderarzt mitsamt Kinderkrankenschwester und natürlich Ihre Hebamme anwesend! Ist das nicht ein grandioser Empfang für Ihren kleinen Zwerg? Die Hebamme wird Ihr Baby dann direkt nachdem es geboren wurde (dies dauert etwa 5-10 Minuten ab Operationsbeginn) in Empfang nehmen und zu dem wartenden Kinderarzt bringen. Dieser wird sich den Zwerg genau anschauen, untersuchen, ggf. ein bisschen Fruchtwasser absaugen und dann wieder in die Obhut der Hebamme geben. Währenddessen werden Sie weiter operiert – d. h. nachdem das Baby geboren ist wird der Mutterkuchen entfernt, die Gebärmutter und Muskulatur wieder verschlossen und letztendlich die Haut zugenäht. Meist legen die Ärzte noch einen sogenannten Redon in den Bauchraum, der zur Ableitung von Blut und Wundsekret nach außen dient. Dieser wird allerdings schon am zweiten Tag nach dem Kaiserschnitt wieder gezogen.

Indessen bringt die Hebamme Ihr Baby wieder zurück in den Kreissaal. Dort wird es gewogen, gemessen und, wenn gewünscht, von seinem Papi gebadet und angezogen.

Während die beiden dann auf Ihre Rückkehr warten, haben sie ganz viel Zeit sich schon einmal genauer kennen zu lernen – für die allermeisten Väter eine Zeit, von der sie noch Jahr später – oft mit Tränen der Rührung in den Augen – erzählen.

Die Operation selber dauert etwa eine Stunde. Im Anschluss daran werden Sie zur weiteren Beobachtung meist wieder in den Kreissaal gebracht, wo der Rest Ihrer jungen Familie Sie schon sehnsüchtig erwarten wird. Dort bleiben Sie dann noch für etwa 4 Stunden zur weiteren Beobachtung, bis Sie dann wieder in Ihr Zimmer kommen.

Ganz wichtig: der obige Ablauf ist natürlich nicht in allen Klinik derselbe – es werden einige Dinge zu einem anderen Zeitpunkt gemacht, nicht überall sind Kinderärzte bei einem Kaiserschnitt anwesend und in manchen Krankenhäusern kommen Sie nachher nicht in den Kreissaal sondern in einen sogenannten Aufwachraum! Andere Häuser – andere Sitten! Dennoch läuft es vom Prinzip her überall gleich oder zumindest ähnlich ab. Fragen Sie aber bitte immer noch einmal konkret in „Ihrer“ Klinik nach, wenn Sie hierzu noch einiges wissen möchten.



Zu guter Letzt noch ein paar Sätze über die unterschiedlichen Narkosemöglichkeiten

Vollnarkose
Sie schlafen süß und seelig ein, werden nach etwa einer Stunde wieder wach und Ihr Baby liegt an Ihrer Seite! Der Nachteil hierbei ist sicherlich, dass Sie in den ersten Stunden nach dem Kaiserschnitt noch recht benebelt sein werden und sich später nur noch schemenhaft an alles erinnern können.

PDA (Peridualanästhesie)
Im Volksmund hört man immer etwas von einer „Rückenmarksnarkose“ – dies ist sicherlich nicht der richtige, vielmehr ein völlig falscher Ausdruck hierfür! Bei der PDA wird ein Lokalanästhetikum (örtliches Betäubungsmittel) in den Zwischenwirbelkanal gespritzt. Dies ist ein flüssigkeitsgefüllter Raum vor dem Rückenmark! Für einen Kaiserschnitt wird eben in diesen Bereich ein dünner Schlauch gelegt, über welchen das entsprechende Medikament exakt dosiert gegeben werden kann.
Ein großer Vorteil dieser Form der Betäubung ist die recht komplikationslose Gabe von Schmerzmitteln nach der Operation.
Was Sie allerdings ganz für sich alleine als Vor- oder Nachteil entscheiden müssen ist die Tatsache, dass Sie während des Eingriffs alles (zumindest akustisch) mitbekommen – nicht nur den ersten Schrei Ihres Babys.


Sie haben eine Frage? Frau Nicola Schwarz freut sich schon auf Ihre email!


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